Mehrheit gegen die Halbierungsinitative, keine Chance für Klimafonds-Initiative
Rund zwei Wochen vor den Abstimmungen vom 8. März 2026 spricht sich eine deutliche Mehrheit für den direkten Gegenvorschlag zur Bargeldinitative aus. Eine Ablehnung zeichnet sich bei der Halbierungsinitative und der Klimafonds-Initative ab. Zur Individualbesteuerung sagen 53 Prozent Ja.
Zürich, 25. Februar 2026 – 20 Minuten und Tamedia haben auf ihren Newsportalen die zweite Welle der titelübergreifenden Umfrage im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmung vom 8. März 2026 durchgeführt. 14’570 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 18. und 19. Februar online an der Umfrage teilgenommen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4 Prozentpunkten.
Mehrheit unterstützt die Bargeldinitative
Aktuell sagen 53 Prozent der Stimmberechtigten Ja zur Bargeldinitiative (bei 44 Prozent Nein und 5 Prozent ohne Angabe). Wie bei Volksinitiativen üblich, ist die Zustimmung im Verlauf der Kampagne deutlich gesunken: Sie liegt 9 Prozentpunkte tiefer als in der ersten Welle. Die Bargeldinitiative wird einzig von den Anhängerinnen und Anhängern der SVP unterstützt: 82 Prozent von ihnen stimmen der Vorlage zu. In der ersten Welle fand die Initiative neben der SVP-Basis auch bei Sympathisierenden von Mitte, FDP und SP mehrheitlich Unterstützung.
Bei Frauen und Männern ist die Zustimmung gleich hoch (je 53 Prozent Ja). Auch in allen Sprachgruppen und Siedlungstypen findet die Initiative mehrheitlich Zustimmung. In der Deutschschweiz (51 Prozent Ja) und in den Städten (50 Prozent Ja) fällt diese Mehrheit jedoch sehr knapp aus. Für die Befürwortenden überzeugt mit Abstand am meisten das Kernargument, wonach Bargeld nicht von technischen Systemen (Strom, Kartenleser, Internet) abhängig sei. Die Gegnerschaft gibt insbesondere zu bedenken, dass der Gegenvorschlag von Bundesrat und Parlament die Anliegen der Initiative ausreichend berücksichtige.
Klare Mehrheit für direkten Gegenvorschlag zur Bargeldinitative
Der direkte Gegenvorschlag zur Bargeldinitiative wird von einer deutlichen Mehrheit befürwortet (65 Prozent Ja bei 30 Prozent Nein und 5 Prozent ohne Angabe). Die Zustimmung zu dieser Behördenvorlage ist gegenüber der ersten Welle um 7 Prozentpunkte angewachsen. Der Gegenvorschlag wird von den Anhängerinnen und Anhängern aller grossen Parteien unterstützt. Besonders hoch ist die Zustimmung bei den Sympathisierenden von FDP und Mitte (73 Prozent bzw. 72 Prozent Ja). In der ersten Welle hatte sich die SVP-Basis noch mehrheitlich gegen den Gegenvorschlag ausgesprochen. Insgesamt findet der Gegenvorschlag sehr breite Unterstützung: Sowohl bei Frauen als auch bei Männern sowie in allen Sprachgruppen, Siedlungstypen, in sämtlichen Altersgruppen, Bildungsstufen und Einkommensklassen spricht sich jeweils eine klare Mehrheit dafür aus.
Für die Befürwortenden steht primär das Kernargument im Vordergrund, wonach der Gegenvorschlag den Franken und die Bargeldversorgung sichere, ohne das bewährte System zu verändern. Für die Gegnerschaft stehen zwei Argumente im Zentrum: Einerseits bekräftige der Gegenvorschlag lediglich geltendes Recht und blähe die Verfassung unnötig auf. Andererseits definiere der Gegenvorschlag Bargeld nicht ausdrücklich als Münzen und Banknoten. Das lasse die Möglichkeit offen, diese durch eine staatliche Digitalwährung zu ersetzen.
In der Stichfrage kann angegeben werden, ob die Volksinitiative oder der direkte Gegenentwurf vorgezogen werden soll, falls beide Vorlagen angenommen werden. 58 Prozent tendieren zum Gegenvorschlag, was gegenüber der ersten Welle einem Zuwachs um 6 Prozentpunkte entspricht. 37 Prozent tendieren zur Bargeldinitiative und 5 Prozent sind unentschlossen und haben keine klare Präferenz.
Mehrheit lehnt Halbierungsinitative ab
Die Halbierungsinitiative kommt in der zweiten Umfragewelle noch auf 42 Prozent Ja-Stimmen. Das sind 8 Prozentpunkte weniger als in der ersten Welle. 57 Prozent sprechen sich gegen die Initiative aus (1 Prozent ohne Angabe). Die Halbierungsinitiative wird nur von den Anhängerinnen und Anhängern der SVP mehrheitlich unterstützt – dort allerdings sehr deutlich mit 80 Prozent Ja. Bei allen anderen befragten Parteisympathisierenden wird sie klar abgelehnt. Besonders hoch ist der Nein-Anteil bei SP, GPS und GLP (nur jeweils 16 Prozent, 17 Prozent bzw. 17 Prozent Ja). In der ersten Welle hatte die Halbierungsinitiative neben der SVP-Basis auch bei den FDP-Anhängerinnen und -Anhängern noch eine Mehrheit gefunden. In allen Sprachregionen überwiegt das Nein, am deutlichsten in der Romandie (60 Prozent Nein). Weder in städtischen noch in ländlichen Gebieten findet die Vorlage eine Mehrheit. Auch in keiner Einkommensklasse reicht es für eine Zustimmung.
Bei den Befürwortenden stossen insbesondere zwei Argumente auf Zustimmung: Zum einen zwinge die Initiative die SRG, sich wieder auf ihren Kernauftrag zu konzentrieren, das heisst Information und Bildung in allen Landessprachen. Zum anderen bezahle die Schweizer Bevölkerung heute eine der höchsten Medienabgaben weltweit, was wegen steigender Lebenshaltungskosten nicht mehr tragbar sei. Das wichtigste Argument für die Gegnerschaft ist dagegen, dass unsere Demokratie angesichts der Zunahme von Fake News einen Anbieter brauche, auf dessen Glaubwürdigkeit die Gesellschaft vertrauen könne.
Klimafonds-Initative ist chancenlos
Die Klimafonds-Initiative wird von einer deutlichen Mehrheit der Stimmberechtigten abgelehnt (68 Prozent Nein bei 28 Prozent und 4 Prozent ohne Angabe). Der Ja-Anteil hat gegenüber der ersten Welle um 5 Prozentpunkte abgenommen. Deutlich unterstützt wird die Klimafonds-Initiative von den Anhängerinnen und Anhängern der Grünen und der SP mit 77 bzw. 62 Prozent Ja. Die Sympathisantinnen und Sympathisanten von GLP, Mitte, FDP und SVP lehnen die Initiative hingegen ab. In keiner relevanten gesellschaftlichen Gruppe erreicht die Klimafonds-Initiative eine Mehrheit.
Für die Befürwortenden fällt vor allem das Kernargument ins Gewicht, wonach die Initiative den Schutz von Klima und Natur zur öffentlichen Aufgabe mache. Klimaschutz würde so gerecht finanziert und es würde niemand allein gelassen. Die Gegner der Vorlage überzeugt das Argument am meisten, dass der Bund bereits heute rund 2 Milliarden Franken pro Jahr in Klimaschutz und Energiewende sowie zusätzlich 600 Millionen in die Biodiversität investiere.
Mehrheit für die Individualbesteuerung
Das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung wird von einer Mehrheit der Stimmberechtigten befürwortet (53 Prozent Ja bei 44 Prozent Nein und 3 Prozent ohne Angabe). Die Vorlage wird von den Anhängerinnen und Anhängern von SP, GPS, GLP und FDP unterstützt. Abgelehnt wird die Vorlage hingegen von den Sympathisantinnen und Sympathisanten von SVP und Mitte. In der ersten Welle wurde die Einführung der Individualbesteuerung noch von allen erhobenen Parteien unterstützt. Insgesamt findet die Einführung der Individualbesteuerung bei Frauen und Männern, in städtischen wie ländlichen Gebieten sowie in allen Altersgruppen eine Mehrheit, wobei die Zustimmung auf dem Land sowie bei den 50- bis 64-Jährigen und bei den über 65-Jährigen mit jeweils 50 Prozent Ja denkbar knapp ist. Auf Ablehnung stösst die Vorlage hingegen in der italienischsprachigen Schweiz.
Aufseiten der Befürwortenden spricht vor allem ein Kernargument für die Individualbesteuerung: nämlich, dass diese faire Steuern für alle garantiere, unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Die Gegnerschaft meint dagegen, dass Ehepaare mit nur einem oder stark ungleichen Einkommen künftig Hunderte bis Tausende Franken mehr Steuern zahlen müssten, was besonders traditionelle Familien bestrafe.
Beteiligte Medien
Deutschschweiz: 20 Minuten, BZ Berner Zeitung, Der Bund, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, SonntagsZeitung und ZRZ Zürcher Regionalzeitungen;
Romandie: 20 minutes, 24 heures, Tribune de Genève, lematin.ch und Le Matin Dimanche;
Tessin: 20 minuti
Kontakt
Franziska Lurk, Kommunikation Tamedia
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