Knappes Rennen um Halbierungsinitative, deutliche Mehrheit für Bargeldinitative

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Sieben Wochen vor den Abstimmungen vom 8. März 2026 kommen die Bargeldinitative und der direkte Gegenvorschlag auf klare Mehrheiten. Knapper sieht es bei der Halbierungsinitative aus, während die Klimafonds-Initative derzeit chancenlos ist. Die Individualbesteuerung erreicht 64 Prozent Ja-Stimmen.

Zürich, 21. Januar 2026 – 20 Minuten und Tamedia haben auf ihren Newsportalen die erste Welle der titelübergreifenden Umfrage im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmung vom 8. März 2026 durchgeführt. 16’198 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 14. und 15. Januar online an der Umfrage teilgenommen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,4
Prozentpunkten.

Breite Unterstützung für die Bargeldinitative

Aktuell findet die Bargeldinitiative eine klare Mehrheit bei den Stimmberechtigten (62 Prozent Ja bei 33 Prozent Nein und 5 Prozent ohne Angabe). Unterstützt wird sie von den Anhängerinnen und Anhängern der SP, Mitte, FDP und SVP. Ablehnung kommt aus der Basis der Grünen sowie der GLP. Das Anliegen findet Zustimmung bei Frauen und Männern gleichermassen. Zudem wird sie in allen Sprachregionen, in städtischen wie ländlichen Gebieten sowie in allen Altersgruppen mehrheitlich befürwortet. Keine Mehrheit findet die Initiative einzig bei Personen mit tertiärer Bildung (Uni/Fachhochschule) sowie bei den höchsten Einkommensgruppen mit einem monatlichen Einkommen ab 16’000 Franken.
 
Für die Befürwortenden überzeugt mit Abstand am meisten das Kernargument, wonach Bargeld nicht von technischen Systemen (Strom, Kartenleser, Internet) abhängig sei. Die Gegnerschaft gibt insbesondere zu bedenken, dass die Sicherstellung der Bargeldversorgung wie auch der Franken als Schweizer Währung bereits im Gesetz verankert seien.

Stichfrage: Mehrheit für direkten Gegenvorschlag zur Bargeldinitative

Der direkte Gegenvorschlag zur Bargeldinitiative wird ebenfalls von einer deutlichen Mehrheit befürwortet (58 Prozent Ja bei 34 Prozent Nein und 8 Prozent ohne Angabe). Mit Ausnahme der SVP-Sympathisantinnen und-Sympathisanten unterstützen alle erhobenen Parteien den direkten Gegenvorschlag zur Bargeldinitiative (das heisst GPS, SP, GLP, Mitte und FDP). Er findet über alle Sprachgruppen, Siedlungstypen und Altersklassen eine Mehrheit, wobei die Zustimmung bei den jüngsten Stimmberechtigten (18-34-Jährige) am tiefsten ausfällt.  

Für die Befürwortenden steht primär das Kernargument im Vordergrund, wonach der Gegenvorschlag den Franken und die Bargeldversorgung sichere, ohne das bewährte System zu verändern. Für die Gegnerschaft stehen zwei Argumente im Zentrum: Einerseits bekräftige der Gegenvorschlag lediglich geltendes Recht und blähe die Verfassung unnötig auf. Andererseits definiere der Gegenvorschlag Bargeld nicht ausdrücklich als Münzen und Banknoten. Das lasse die Möglichkeit offen, diese durch eine staatliche Digitalwährung zu ersetzen.

In der Stichfrage kann angegeben werden, ob die Volksinitiative oder der direkte Gegenentwurf vorgezogen werden soll, falls beide Vorlagen angenommen werden. 52 Prozent tendieren zum Gegenvorschlag, 41 Prozent tendieren zur Initiative und 7 Prozent sind unentschlossen und haben keine klare Präferenz.

Spannende Ausgangslage bei der Halbierungsinitative

In der ersten Umfragewelle kommt die Halbierungsinitiative auf 50 Prozent Ja-Stimmen. 48 Prozent sagen nein und 2 Prozent sind unentschieden. Eine sehr deutliche Zustimmung zeigt sich in der SVP-Basis (85 Prozent Ja). Auch unter den Sympathisantinnen und Sympathisantinnen der FDP findet das Anliegen eine Mehrheit, wenn auch knapp (55  Prozent Ja). Mehrheitlich abgelehnt wird die Halbierungsinitiative hingegen von den Anhängerschaften der Mitte, der GLP, der SP und der Grünen. Zwischen Frauen und Männern sowie zwischen den Sprachregionen bestehen kaum relevante Unterschiede in der Stimmabsicht. Besonders hohe Zustimmung erfährt die Halbierungsinitiative in ländlichen Gebieten, bei Stimmberechtigten mit obligatorischem Schulabschluss, bei Personen mit tieferen Einkommen sowie in den jüngeren Altersgruppen.
 
Bei den Befürwortenden stossen insbesondere zwei Argumente auf Zustimmung: Zum einen zwinge die Initiative die SRG, sich wieder auf ihren Kernauftrag zu konzentrieren, das heisst Information und Bildung in allen Landessprachen. Zum anderen bezahle die Schweizer Bevölkerung heute eine der höchsten Medienabgaben weltweit, was wegen steigender Lebenshaltungskosten nicht mehr tragbar sei. Das wichtigste Argument für die Gegnerschaft ist dagegen, dass unsere Demokratie angesichts der Zunahme von Fake News einen Anbieter brauche, auf dessen Glaubwürdigkeit die Gesellschaft vertrauen könne.

Im Gegensatz zu den anderen Vorlagen ist die Meinungsbildung bei der Halbierungsinitiative bereits weit fortgeschritten, was sich an der tiefen Zahl Unentschiedener zeigt. Allgemein gilt bei Volksinitiativen, dass die Zustimmung oft im Laufe der Abstimmungskampagnen sinkt. 

Nur ein Drittel unterstützt die Klimafonds-Initative

Die Klimafonds-Initiative wird derzeit von einer klaren Mehrheit der Stimmberechtigten abgelehnt (59  Prozent Nein bei 33 Prozent Ja und 8 Prozent ohne Angabe). Deutlich unterstützt wird sie von den Anhängerinnen und Anhängern der Grünen und der SP. Die Sympathisantinnen und Sympathisanten von GLP, Mitte, FDP und SVP lehnen die Initiative hingegen ab, wobei die Ablehnung in der SVP- und FDP-Basis besonders stark ausfällt. Entsprechend ist das parteipolitische Konfliktmuster klar ausgeprägt. In keiner relevanten gesellschaftlichen Gruppe erreicht die Klimafonds-Initiative eine Mehrheit. Nennenswerte Unterschiede in der Stimmabsicht zeigen sich jedoch nach Geschlecht, Siedlungstyp und Bildungsniveau: Frauen, in städtischen Gebieten lebende Stimmberechtigte sowie Personen mit einem Hochschulabschluss weisen eine vergleichsweise höhere Zustimmung auf.
 
Für die Befürwortenden fällt vor allem das Kernargument ins Gewicht, wonach die Initiative den Schutz von Klima und Natur zur öffentlichen Aufgabe mache. Klimaschutz würde so gerecht finanziert und es würde niemand allein gelassen. Die Gegner der Vorlage überzeugt das Argument am meisten, dass der Bund bereits heute rund 2 Milliarden Franken pro Jahr in Klimaschutz und Energiewende sowie zusätzlich 600 Millionen in die Biodiversität investiere.

Klare Mehrheit für die Individualbesteuerung

Das Bundesgesetz über die Individualbesteuerung wird von den Sympathisantinnen und Sympathisanten aller erhobenen Parteien klar unterstützt (das heisst GPS, SP, GLP, Mitte, FDP und SVP). Es findet eine deutliche Mehrheit bei allen Geschlechtern, Sprachgruppen, Siedlungstypen, Altersgruppen sowie bei allen Bildungs- und Einkommensklassen.
 
Aufseiten der Befürwortenden spricht vor allem ein Kernargument für die Individualbesteuerung: nämlich, dass diese faire Steuern für alle garantiere, unabhängig von Zivilstand und Geschlecht. Die Gegnerschaft meint dagegen, dass Ehepaare mit nur einem oder stark ungleichen Einkommen künftig Hunderte bis Tausende Franken mehr Steuern zahlen müssten, was besonders traditionelle Familien bestrafe.

Beteiligte Medien
Deutschschweiz: 20 Minuten, BZ Berner Zeitung, Der Bund, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, SonntagsZeitung und ZRZ Zürcher Regionalzeitungen; 
Romandie: 20 minutes, 24 heures, Tribune de Genève, lematin.ch und Le Matin Dimanche;
Tessin: 20 minuti
 

Kontakt

Franziska Lurk, Kommunikation Tamedia
[email protected]