Knappe Mehrheit für Nachhaltigkeitsinitiative, offenes Rennen um Zivildienstgesetz

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Sieben Wochen vor den Abstimmungen vom 14. Juni 2026 erreicht die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» der SVP 52 Prozent Ja-Stimmen. Beim revidierten Zivildienstgesetz halten sich Ja- und Nein-Stimmen die Waage.

Zürich, 29. April 2026 – 20 Minuten und Tamedia haben auf ihren Newsportalen die erste Welle der titelübergreifenden Umfrage im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmung vom 14. Juni 2026 durchgeführt. 16’176 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 22. und 23. April online an der Umfrage teilgenommen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,3 Prozentpunkten.

Ja-Lager bei 10-Millionen-Schweiz-Initiative vorn

Die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)» wird zum aktuellen Zeitpunkt von einer knappen Mehrheit der Stimmberechtigten unterstützt (52 Prozent Ja bei 46 Prozent Nein und 2 Prozent Unentschiedenen). Die Vorlage ist bereits zu einem frühen Zeitpunkt bekannt und wird breit diskutiert. Das zeigt auch der tiefe Anteil an «Eher Ja»- und «Eher Nein»-Antworten. Bei zwei früheren Befragungen zur Initiative im November 2025 und im März 2026, die vergleichbar sind, war das Verhältnis 48% Ja zu 41% Nein (November) und 45% Ja zu 47% Nein (März), was trotz der breiten Diskussion zur Initiative auf eine gewisse Volatilität hindeutet und auf keinen klaren Trend schliessen lässt.

Die deutlichsten Unterschiede zeigen sich in der Auswertung der Stimmabsicht nach Parteisympathie: Die 10-Millionen-Schweiz-Initiative wird geschlossen von der SVP-Basis getragen (96 Prozent Ja). Mit grossem Abstand, aber auch einer Mehrheit, unterstützen die FDP-Wählenden das Anliegen (54 Prozent Ja). Die Basis der SP (82 Prozent Nein), der GPS (75 Prozent Nein) und der GLP (75 Prozent Nein) sprechen sich deutlich gegen die Initiative aus. Die Wählerschaft der Mitte ist weniger klar dagegen (47 Prozent Ja).

Grosse Unterschiede zeigen sich zwischen der Stimmbevölkerung auf dem Land (57 Prozent Ja) und in der Stadt (43 Prozent Ja). Kleiner sind die Differenzen nach Sprachregionen: Die italienischsprachige und die deutschsprachige Schweiz unterstützen die Initiative (53 Prozent und 54 Prozent Ja), während sich die Stimmbevölkerung in der Romandie knapp dagegen ausspricht (48 Prozent Ja). In den Auswertungen nach Bildung respektive Einkommen zeigt sich ein deutliches Muster: Je höher das Bildungsniveau und je höher das Einkommen, desto tiefer fallen die Ja-Anteile aus.
 
Die Befürworterinnen und Befürworter der Vorlage überzeugen zwei Argumente. Zum einen bedrohe die Zuwanderung die Sicherheit der Schweiz. Bei Gewalttaten seien Ausländer und Eingebürgerte massiv überrepräsentiert. Zum anderen führe die Zuwanderung zu steigenden Mieten, Wohnungsknappheit sowie Staus und überfüllten Zügen. Auch für die Gegnerschaft der Initiative sind vor allem zwei Argumente wichtig: Die Vorlage führe zur Kündigung der bilateralen Verträge mit der EU, der wichtigsten Handelspartnerin, mit gravierenden Konsequenzen für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft. Zudem würde die Initiative den Fachkräftemangel für Schweizer Unternehmen verschärfen, insbesondere für KMUs und im Gesundheitswesen.

Patt beim revidierten Zivilschutzgesetz

Die Ja- und Nein-Anteile beim Zivildienstgesetz sind in dieser ersten Umfrage gleich gross (je 46 Prozent), wobei 8 Prozent noch keine Angaben zu ihren Stimmabsichten machen. Der Informationsstand und die Meinungsbildung sind noch nicht weit fortgeschritten, worauf die hohen Anteile in den «Eher»-Kategorien und bei den Unentschiedenen hindeuten. Das Anliegen wird von einer deutlichen Mehrheit der Wählerschaft der FDP und der SVP sowie der Mitte unterstützt (65 Prozent, 64 Prozent bzw. 57 Prozent Ja). Umgekehrt wird das Gesetz von links-grünen Wählenden sehr klar abgelehnt. Die Zustimmungswerte sind bei der GPS- und SP-Basis bei sehr tiefen 16 Prozent – bei der GLP liegt der Ja-Anteil bei 34 Prozent.

Die Zustimmung ist auf dem Land (50 Prozent) höher als bei Personen, die in der Stadt wohnen (38 Prozent). Auch bei Geschlecht, Bildung und Alter zeigen sich Unterschiede in der Stimmabsicht. Der Ja-Anteil ist bei den Frauen lediglich bei 40 Prozent, während 51 Prozent der Männer der Vorlage zustimmen. Wählende in der tiefsten Bildungskategorie unterstützen die Revision des Zivildienstgesetzes (51 Prozent Ja). Personen mit hoher Bildung lehnen die Vorlage hingegen ab (33 Prozent Ja). Zudem hat das Gesetz einen relativ schwachen Rückhalt bei den Jungen (37 Prozent Ja), während die Zustimmung in der ältesten Bevölkerungsgruppe am grössten ist (54 Prozent Ja). 

Für die Befürwortenden steht das Argument im Zentrum, dass der Zivildienst heute zur bequemen Alternative geworden sei, obwohl laut Verfassung keine Wahlfreiheit zwischen Militärdienst und Zivildienst bestehe. Die Gegnerschaft lehnt die Vorlage insbesondere deshalb ab, weil Zivildienstleistende wichtige Aufgaben für den sozialen und kulturellen Zusammenhalt erfüllen. Spitäler, Pflegeheime, Bergbauern und Schulen seien auf sie angewiesen.


Beteiligte Medien
Deutschschweiz: 20 Minuten, BZ Berner Zeitung, Der Bund, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, SonntagsZeitung und ZRZ Zürcher Regionalzeitungen; 
Romandie: 20 minutes, 24 heures, Tribune de Genève, lematin.ch und Le Matin Dimanche;
Tessin: 20 minuti

Kontakt

Franziska Lurk, Kommunikation Tamedia
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