Chronik 2003 

Tamedia im Jahr 2003

Ende Januar wird die Nachfolgerin von Christoph Marty, Verlagsleiter Facts, bekanntgegeben: Sie heisst Sari Katriina Simola und wird ihre Stelle per 1. Juni 2003 antreten.

Sari Simola, in Finnland geboren, studierte germanische Sprach- und Literaturwissenschaft und war in verschiedenen Redaktionen und Verlagen tätig, zuletzt im Hause Ringier.

Am 19. März orientiert Tamedia die Mitarbeitenden sowie die Medien und die Analysten über das Geschäftsjahr 2002. Das stark rückläufige Anzeigengeschäft hat tiefe Spuren in der Rechnung hinterlassen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank um knapp 51 Prozent auf 71,7 Millionen Franken. Das Konzernergebnis wird mit 35,6 Millionen Franken ausgewiesen. Das finanzielle Fundament ist weiterhin sehr solid. Der Eigenfinanzierungsgrad und die Liquidität bleiben hoch.

Überraschende Wende im Gratiszeitungsmarkt: Am 21. März steigt Tamedia bei 20 Minuten ein und verzichtet auf die für den 23. März geplante Lancierung der eigenen Pendlerzeitung Express. Die von Tamedia kontrollierte Express Zeitung AG übernimmt zunächst 49,5 Prozent der 20 Minuten (Schweiz) AG. Der Zürich Express erscheint letztmals am 30. Mai. Danach wird er durch das Tagblatt der Stadt Zürich abgelöst. Dem Express-Team, das die Lancierung des neuen Titels mit grossem Engagement vorbereitet hat, werden, andere Arbeitsplätze im Unternehmen angeboten.

Anfang April veröffentlicht die AG für Werbemittelforschung (wemf) die neusten beglaubigten Auflagen. Vor allem bedingt durch die neue Auflagenpolitik von Tamedia weisen sämtliche Tamedia-Titel, mit Ausnahme der Schweizer Familie, rückläufige Zahlen aus.

Am 7. April tritt Christoph Tonini sein Amt als Finanzchef von Tamedia an. Er ersetzt Patrick Eberle, der das Unternehmen verlässt. Der Wechsel war bereits im September 2002 bekannt gegeben worden.

Das Tagblatt der Stadt Zürich feiert am 2. Juni seine Auferstehung. Es erscheint in modernem Design und mit neuem inhaltlichem Konzept. Tamedia und NZZ, die beiden Aktionäre der Tagblatt der Stadt Zürich AG, wollen die Gratiszeitung klar als Anzeiger mit städtischem Amtsblatt-Charakter positionieren. Für das Tagblatt der Stadt Zürich arbeitet ein rund zehn Leute umfassendes Team unter der Führung von Stephan Gartenmann (Verlags- und Anzeigenleiter) und Markus Hegglin (Chefredaktor). Es erscheint von Montag bis Freitag und wird an rund 140'000 Haushalte in der Stadt verteilt.

Am 10. Juni gibt die Wettbewerbskommission bekannt, dass sie die Übernahme von
20 Minuten durch die Tamedia AG und die Berner Zeitung AG einer vertieften Prüfung unterziehen werde. Die Vorprüfung habe ergeben, dass «Anhaltspunkte für die Begründung oder Verstärkung von marktbeherrschenden Stellungen auf den regionalen/lokalen Werbemärkten Bern und Zürich sowie im nationalen Lesermarkt für Pendlerzeitungen» bestünden.

Ende Juni reorganisiert Tamedia den Zeitschriftenbereich. Ziel ist es, Annabelle, Facts und Schweizer Familie nachhaltig zu stärken. Annabelle Wohnen und Annabelle Business erscheinen ab September 2003 nicht mehr. Für Du und Spick werden Käufer gesucht. Gleichzeitig mit der Veröffentlichung der Pläne für den Zeitschriftenbereich gibt Tamedia die Einstellung des Akzidenz-Rollenoffsetdrucks (ARO) bis spätestens Juli 2005 bekannt. Der Ausstieg aus dem Akzidenz-Rollenoffsetdruck und die Reorganisation des Zeitschriftengeschäfts haben den Abbau von 140 Stellen zur Folge. Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird ein Sozialplan ausgearbeitet.

Am 21. August veröffentlicht Tamedia die Halbjahreszahlen. Das Rechnungsergebnis widerspiegelt die schwierigen Verhältnisse am Werbe- und am Lesermarkt. Mit 290,6 Mio. CHF liegt der Betriebsertrag 13,5 % unter Vorjahr. Das EBIT beträgt -11,1 Mio. CHF, das Konzernergebnis -3,8 Mio. CHF. Das finanzielle Fundament ist nach wie vor solid. Der Eigenfinanzierungsgrad beträgt 53,5 % (im Vorjahr 54,7 %).

Das Luzerner Medienausbildungszentrum MAZ und Tamedia kündigen am 23. August ihre Zusammenarbeit an. Per 1. Januar 2004 tritt Tamedia die Marke Medienforum an das MAZ ab und lagert ihre Weiterbildungsaktivitäten nach Luzern aus. René Bortolani, der das Medienforum aufgebaut und geleitet hat, verlässt das Unternehmen. Die Abmachung mit Tamedia ermöglicht der Schweizer Journalistenschule einen Ausbau ihres Angebots. Das erweiterte Ausbildungsprogramm wird unter dem Label MAZ Medienforum laufen.

Anfang September veröffentlicht die AG für Werbemittelforschung (wemf) die Leserzahlen 2003. Tamedia schneidet gut ab. Fünf Titel konnten ihre Leserschaft erweitern: der Tages-Anzeiger um 5 %, die SonntagsZeitung um 4, die Schweizer Familie um 16, Facts um 8 und Annabelle um 9 %. Die Leserschaft von Finanz und Wirtschaft und Du blieb konstant.

Am 11. September gibt Tamedia den neuen Besitzer der Kulturzeitschrift Du bekannt: Der Thurgauer Niggli Verlag übernimmt nach Möglichkeit alle Mitarbeitenden. Redaktion und Verlag bleiben in Zürich, Produktion und Verwaltung wechseln nach Sulgen, Thurgau. Der Entscheid, das Heft in andere Hände zu geben, war Ende Juni gefällt worden. Für Spick, dessen Verkauf ebenfalls im Juni beschlossen worden war, liess sich kein Interessent finden. Die Kinderzeitschrift wird künftig in Kooperation mit dem Sailer-Verlag, Nürnberg, herausgegeben. Die kommerzielle Verantwortung bleibt bei Tamedia.

Am 19. September einigen sich die Gewerkschaften und die Unternehmensleitung von Tamedia nach rund zehnwöchigen Verhandlungen auf einen Sozialplan für den Bereich Zeitschriften. Die Restrukturierung dieses Bereichs hat, wie Ende Juni bekannt gegeben, den Abbau von rund 140 Stellen zur Folge. Gemäss dem Sozialplan stellt Tamedia insgesamt 11,4 Mio. CHF für vorzeitige Pensionierungen, Abgangsentschädigungen sowie zur Milderung von Härtefällen zur Verfügung.

Anfang Oktober trennt sich Tamedia von nicht-strategischen Beteiligungen. Die 72-Prozent-Beteiligung an der BD Bücherdienst AG wird an die Stuttgarter Verlagskontor SVK GmbH und die Diogenes Verlag AG, Zürich, verkauft. Für die Regor AG liegt ein Letter of Intent eines Interessenten vor. Die Waser AG wird in die von Tamedia und Meier + Cie. AG, Schaffhausen, gemeinsam gegründete Meier Waser Druck AG mit Sitz in Feuerthalen eingebracht. Die Aktivitäten in Buchs werden eingestellt. Nach Zustimmung der Wettbewerbskommission erarbeiten die beiden Parteien einen detaillierten Umsetzungsplan. Der Verkauf nicht-strategischer Beteiligungen und weitere Umstellungen im Unternehmen führen zu Änderungen in der Organisation von Tamedia: Der von Martin Kall geleitete Unternehmensbereich Beteiligungen wird aufgelöst. Der Werd Verlag und die Finanz und Wirtschaft sind neu im Bereich Zeitungen angesiedelt. Die verbleibenden Beteiligungen bis zu 50 Prozent werden künftig vom Bereich Finanzen geführt. Chefredaktion und Verlagsleitung des Tages-Anzeigers, die bisher an Jürg Brauchli rapportierten, berichten neu an Martin Kall, wie dies bereits bisher für den Werd Verlag und die Finanz und Wirtschaft der Fall ist. Die Leitung der anderen Aktivitäten sowie die Gesamtverantwortung für den Bereich Zeitungen verbleiben bei Jürg Brauchli.

Am 9. Oktober meldet Tamedia den Auftakt zur schrittweisen Übernahme der Pendlerzeitung 20 Minuten. Die Kaufabsicht war Ende März bekannt gegeben worden. Am
17. September hatte die Wettbewerbskommission ihre Zustimmung erteilt. Über ihr Tochterunternehmen Express Zeitung AG erwirbt Tamedia vorerst 49,5 Prozent der
20 Minuten (Schweiz) AG. Bis Ende 2006 wird die Beteiligung auf 100 Prozent erhöht. Dem Verwaltungsrat der 20 Minuten (Schweiz) AG gehören an: Martino Bammatter (Präsident), Martin Kall (Vizepräsident), Sandro Macciacchini, Sverre Munck, Christian Stahl, Hans Christoph Tanner und Christoph Tonini. Über die geplante 17.5%-Beteiligung der Berner Zeitung AG an der Express Zeitungs AG wird die Weko zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

Mitte Oktober gibt es gute Nachricht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akzidenz-Rollenoffsetdruckerei ARO an der Baslerstrasse: Der im Juni von Tamedia bekannt gegebene Plan, den Betrieb bis spätestens Mitte 2005 stillzulegen, wird nicht umgesetzt. Auf den 1. November übernimmt die Printpark AG Jona die Mitarbeitenden, die Anlagen und die Druckaufträge der ARO. Die Aktivitäten werden weitergeführt; die meisten Arbeitsplätze bleiben erhalten. Die neuen Besitzer planen den Ausbau auf drei Schichten. Dadurch sollen die Wirtschaftlichkeit verbessert und der Standort an der Baslerstrasse langfristig gesichert werden.

Am 24. Oktober kommt es zum Führungswechsel bei Facts: Der Chefredaktor des Nachrichtenmagazins, Hannes Britschgi, verlässt Tamedia wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Weiterentwicklung von Facts. Bis zum definitiven Entscheid über die Neubesetzung des Postens übernimmt Stefan Barmettler interimistisch die Leitung der Redaktion. Er gehört der Facts-Redaktion seit dem Start des Hefts an und wurde im September 2003 zum stellvertretenden Chefredaktor ernannt.

Per Ende Oktober verlässt Leo Arnold, Co-Geschäftsführer der Tamedia-Tochter Regor, das Unternehmen. Er leitete den Lettershop elf Jahre lang, seit April 2003 zusammen mit Denys Kissling. Der 56-jährige ETH-Ingenieur war von Ringier Print in Tschechien zu Regor gekommen und übernimmt nun die Gesamtverantwortung. Entgegen früheren Meldungen wird der Lettershop nicht verkauft und bleibt vorderhand bei Tamedia. Für das laufende Jahr rechnet Regor mit einem Umsatz von rund 8 Mio. CHF und einem deutlich besseren Ergebnis.

Ende November wählt der 20-Minuten-Verwaltungsrat Marco Boselli zum neuen Chefredaktor von 20 Minuten. Rolf Bollmann, der zum Gründungsteam von 20 Minuten gehört, wird vom Verwaltungsrat als Geschäftsführer bestätigt. Markus Eisenhut verlässt das Unternehmen. Der Wechsel in der Chefredaktion ist die Folge einer vertraglichen Abmachung zwischen der 20 Minuten (Schweiz) AG und der Tamedia AG, die für 20 Minuten eine paritätische Führung vorsieht.

Am 26. November wird das neue Budget und die publizistische Ausrichtung des Tages-Anzeigers bekanntgegeben. Das Redaktionsbudget 2004 hat ein Volumen von knapp 42 Mio. CHF. Das sind 6,8 Mio. CHF oder knapp 14 Prozent weniger als 2003. Die Reduktion führt zum Abbau von 38 der insgesamt 251 Stellen. Er erfolgt soweit möglich über ordentliche und vorzeitige Pensionierungen sowie über die Reduktion von Arbeitspensen. 22 Redaktionsangehörige müssen entlassen werden. Auch im Verlag des Tages-Anzeigers werden die Kosten gesenkt und drei Stellen gestrichen. Die Einsparungen sind mit 1,2 Mio. CHF budgetiert.

Am 1. Dezember überträgt Tamedia die Weiterverarbeitung Zeitschriften im Druckzentrum Bubenberg der Printpark AG Jona. Die Lösung bietet zwei Vorteile: Erstens befinden sich Druck und Weiterverarbeitung damit in einer Hand, was die Abläufe vereinfacht. Zweitens verbessert sich die Auslastung der Anlagen dank zusätzlicher Aufträge von Printpark, was die Wirtschaftlichkeit verbessert. Die 14 Mitarbeitende in der Weiterverarbeitung .Zeitschriften werden weiter beschäftigt. Der Standort verbleibt mindestens bis Anfang 2007 im Druckzentrum Bubenberg.

Am 4. Dezember gibt Christa Löpfe, Chefredaktorin von Annabelle ihren Rücktritt per Ende Januar 2004 bekannt. Christa Löpfe wurde 1999 zur Chefredaktorin ernannt und hat in dieser Funktion den Inhalt und das Erscheinungsbild von Annabelle massgeblich geprägt. Bis zur definitiven Regelung der Nachfolge führt Martina Monti, seit 1997 stellvertretende Chefredaktorin, das Blatt ad interim.

Am 17. Dezember wird eine Kooperation angekündigt: Ab 14. Januar 2004 wird das mittwochs erscheinende Quartierecho einer Teilauflage des Tagblatts der Stadt Zürich beigelegt. Gleichzeitig stellt die über 70-jährige Quartierzeitung für die Stadtkreise 1, 3, 4, 5 und 9 auf Tabloidformat um. Die Kooperation im Vertrieb nützt beiden Partnern. Das Quartierblatt, das bereits seit zehn Jahren im Bubenberg gedruckt wird, profitiert von einer effizienteren und günstigeren Zustellung. Das Tagblatt der Stadt Zürich erreicht eine zusätzliche lokale Verankerung in den vom Quartierecho abgedeckten Stadtkreisen.

Mitte Dezember wird ein Wechsel in der Unternehmensleitung von Tamedia bekanntgegeben: Alexander Theobald, Leiter Zeitschriften, verlässt das Haus im Lauf des nächsten Jahres und wird Leiter Zeitschriften bei Ringier. In dieser Funktion nimmt er Einsitz in die Konzernleitung von Ringier. Alexander Theobald (40) trat im Herbst 1996 als Projektleiter bei Tamedia ein. Von 1997 bis 1999 war er Verlagsleiter der SonntagsZeitung, danach Chief Marketing Officer von WinnerMarket. Seit August 2002 leitet er den Unternehmensbereich Zeitschriften. 



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