Chronik 2001 

Tamedia im Jahr 2001

Per 1. Januar 2001 nehmen zwei neue Chefredaktoren ihre Tätigkeit auf: Hannes Britschgi, bisher Redaktionsleiter der Rundschau bei SF DRS, leitet neu die Facts-Redaktion. Daniel Dunkel wird, wie bereits im Dezember 2000 angekündigt, Chefredaktor der Schweizer Familie. Der bisherige Chefredaktor René Bortolani wird unternehmensintern das Medienforum zur Aus- und Weiterbildung von Jounalistinnen und Journalisten aufbauen und leiten.

Die Geschäftsleitung von Tamedia erarbeitet, unterstützt von TV3-Chef Jürg Wildberger und Tamedia-Rechtskonsulent Sandro Macciacchini, ein Positionspapier zur Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG). Für die Gestaltung der Lobbyingkampagne wird Victor Schmid (Hirzel.Neef.Rasi.Schmid., Communication and Management Consultants) beauftragt.

Im Februar beziehen die ersten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Druckvorstufe Zeitschriften ihren Arbeitsplatz im Medienhaus Werd. Die Umzugsaktion erfolgt etappenweise und sollte bis Ende März abgeschlossen sein. Insgesamt werden dann 600 Personen neu im Glashaus arbeiten.

Kurt W. Zimmermann gibt im März bekannt, dass er sich Anfang 2002 als Unternehmensberater selbstständig machen wird. Zimmermann war über zehn Jahre für Tamedia tätig, zuletzt als Geschäftsleiter Verlage Tages-Anzeiger / SonntagsZeitung und Neue Medien.

Am 19. März stirbt Otto Coninx-Wettstein im 86. Altersjahr. Er hatte die Leitung des Unternehmens 1956 von seinem Vater, Otto Coninx-Girardet, übernommen und sich in der Branche einen Namen als innovativer und weitsichtiger Verleger gemacht. Intern wurde der soziale und bescheidene Patron sehr geschätzt. Otto Coninx-Wettstein zog sich 1978 aus der operativen Leitung zurück, 1987 legte er das VR-Präsidium nieder, blieb jedoch bis zuletzt als Ehrenpräsident des Verwaltungsrats dem Haus eng verbunden.

Tamedia erwirbt rückwirkend per 1. Januar 2001 die Aktienmehrheit an der BD Bücherdienst AG in Einsiedeln und besitzt somit 72% des Aktienkapitals. Die BD Bücherdienst AG liefert für Verlage Bücher, Schallplatten, Kassetten und Zeitschriften aus und ist der zweitgrösste Auslieferungsbetrieb in der Schweiz.

Ende März veröffentlicht Tamedia die erfreulichen Abschlusszahlen für das vergangene Geschäftsjahr 2000: Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen konnte um 3% auf 179 Millionen Franken gesteigert werden. Die vorgeschlagene Dividende beträgt Fr. 4.20 je Aktie.

Auch der Fernsehsender TV3 meldet für das erste Quartal 2001 eine positive Entwicklung im Werbegeschäft. Der Umsatz liegt um 16,5% oder 1,155 Millionen Franken über dem Budget.

Im April wird Christoph Marty (32) zum neuen Verlagsleiter von Facts ernannt. Er löst René Gehrig ab, der sich ganz auf seine Tätigkeit als Mitglied der Konzernleitung konzentrieren wird.

Nachdem Facts ein Jahr zuvor das Layout aufgefrischt hat, zieht nun facts.ch nach: Das Redesign der Website wird als Wettbewerb ausgeschrieben, über 70 Web-Agenturen reichen Vorschläge ein. Die acht besten Entwürfe, von einer internen Jury ausgewählt, werden den Online-Usern zur Beurteilung vorgelegt. Ihr Urteil wird die Entscheidung der Jury mitbeeinflussen. Das neu gestaltete facts.ch soll im Oktober starten.

Die WinnerMarket AG, an der Tamedia mit 85% und Bluewin mit 15% beteiligt sind, konzentriert das E-Commerce-Geschäft: carwinner.ch hat sich als umsatzschwach und unrentabel erwiesen und wird im Sommer eingestellt. Bereits im April hat sich die Winnergruppe aus dem Online-Auktions-Geschäft zurückgezogen und gleichzeitig pricewinner.ch eingestellt. Es werden 15 Arbeitsplätze abgebaut, teilweise über natürliche Fluktuation und Tamedia-interne Umplatzierungen.

Ende Mai erhält Du eine neue Verlagsleiterin: Eva Tobler tritt die Nachfolge von René Moser an. Sie war bereits von 1994 bis 1999 für Annabelle als Werbeleiterin und als stellvertretende Verlagsleiterin tätig.

Im Juni übernimmt Clemens Sieber die Leitung des Druckzentrums Bubenberg. Er löst Heinrich Grimm ab, der sich vollumfänglich dem Projekt «Rota 2005» widmet. Das 150 Millionen schwere Grossprojekt umfasst die Ablösung der Zeitungsrotationsanlagen und den Bau einer neuen Rotationshalle im Druckzentrum Bubenberg.

Mitte Juni wird das neue Medienhaus Werd festlich eingeweiht. Verschiedene Veranstaltungen, Besichtigungen und kulinarische Leckerbissen aus aller Welt ziehen über 2500 Besucherinnen und Besucher an.

Am 21. Juni findet im Zürcher Kongresshaus die erste Generalversammlung von Tamedia nach Börsengang statt. Über 350 Aktionärinnen und Aktionäre sind anwesend. Der Antrag, eine Dividende in der Höhe von Fr. 4.20 auszuschütten, sowie die übrigen VR-Anträge werden genehmigt. Im Anschluss an die Versammlung sind alle zu einem Apéro eingeladen und nutzen die Gelegenheit, mit Repräsentanten des Unternehmens ins Gespräch zu kommen.

Ende Juni werden weitere personelle Wechsel bekannt gegeben: Roger Köppel, Chefredaktor des Magazins, wechselt als Chefredaktor zur Weltwoche. Sein Nachfolger wird Res Strehle, neuer stellvertretender CR Peer Teuwsen. Die bisherigen Koleiterinnen der Unternehmenskommunikation, Claudia Curti und Gabriella Zinke, verlassen das Unternehmen. Peter Hartmeier tritt sein Amt als Head of Corporate Communication an. Hartmeier war seit 1996 Geschäftsführer des Verbands Schweizer Presse, davor Chefredaktor und Herausgeber des Wirtschaftsmagazins Bilanz.

Der Halbjahresbericht des Medienforums, des publizistischen Weiterbildungsangebots von Tamedia, ist erfreulich: 200 Anmeldungen für das laufende Jahr, drei viertel davon intern.

Auch TV3 zieht eine positive Halbjahresbilanz. Im ersten Semester hat sich der Anteil im Zuschauermarkt um 3,7% gegenüber dem Vorjahr auf 7,4% verdoppelt. Die Einnahmen liegen über Budget, das Defizit fällt deutlich geringer aus.

Anfang Juli veröffentlicht die Deutsche Bank (Schweiz) eine Studie über Tamedia. Die kritische Analyse kommt zum Schluss, dass Tamedia-Aktien mehr Risiken als Chancen bieten. Die Bank stuft den Titel von «market perform» auf «underperform» zurück und reduziert das Kursziel von 165 Franken auf 90 Franken.

Tamedia baut ihr Radio- und Fernsehengagement aus und erwirbt im August von Roger Schawinski 100% der Aktien der Belcom Holding AG sowie von TeleZüri AG, Belcom AG und Takeoff-Communications AG. Schawinskis Tele 24 und Money 24 werden nicht übernommen.

Im September werden die Aufgaben auf Konzernleitungsebene neu verteilt: Per 1. Oktober wird der Unternehmensbereich Verlage Zeitungen/TV und Neue Medien, der bisher Kurt W. Zimmermann unterstellt war, aufgeteilt: Jürg Brauchli, stellvertretender Konzernleiter, übernimmt den Bereich Zeitungsverlage. CFO Patrick Eberle übernimmt neu den Bereich Informatik. Jürg Wildberger, Geschäftsleiter TV3, wird Mitglied der Konzernleitung.

Das Personal-Management beauftragt das GfS-Forschungsinstitut mit einer Mitarbeiterbefragung zur Zufriedenheit am Arbeitsplatz und der Einstellung zur Arbeit und zu den Vorgesetzten. Eine erste Befragung hat vor drei Jahren stattgefunden. Im Dezember sollten die Vergleichsergebnisse vorliegen.

Die Zahlen von TV3 im dritten Quartal sind unbefriedigend: Die Werbeeinnahmen verfehlen das Budget um 30%, die Zuschauerzahlen liegen um 3,6% unter dem Vorjahresmonat. Das Werbeauftragsvolumen ist rückläufig, die Prognosen für das vierte Quartal sind düster. Das Projekt gilt als gescheitert.

Der Verwaltungsrat von Tamedia ernennt im Oktober Martin Kall zum neuen Vorsitzenden der Konzernleitung. Er wird zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt Michel M. Favre als CEO ablösen. Kall studierte an der Universität Freiburg im Breisgau und an der London School of Economics und schloss seine Ausbildung an der Harvard University mit einem MBA ab.

Die Belcom-Übernahme kann vollzogen werden: Tamedia verkauft ihre Beteiligung von 26,7% an der Radio Zürisee AG und erfüllt somit die von der WeKo und Uvek gestellten Bedingungen. Zudem wird die Radioredaktion des Tages-Anzeigers, die bisher Nachrichten für Radio Zürisee produziert hat, aufgelöst.

Als Reaktion auf die veränderte wirtschaftliche Ausgangslage setzt die Konzernleitung ein Sparprogramm in Kraft: Die Kosten sollen generell um 5% gesenkt werden. Sie beschliesst zudem einen sofortigen Personaleinstellungs- und Investitionsstopp. Zusätzlich läuft das im August angekündigte Projekt «Focus», das die Effizienz und den Mitteleinsatz überprüfen soll.

Die dramatischen Ereignisse im September und Oktober im In- und Ausland schlagen sich nochmals auf den Werbeertrag nieder. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach fundierter Berichterstattung, was sich beim Tages-Anzeiger positiv auf den Kiosk- und Aboverkauf auswirkt.

Tamedia verstärkt den Bereich Unternehmenskommunikation: Die neu geschaffene Stelle Investor Relations wird mit Regula Tschopp besetzt. Damit wird der Kommunikationsfluss zu Investoren, Analysten, Börsen und Banken gewährleistet. Tschopp ist HSG-Absolventin und war zuletzt als Senior Manager bei PriceWaterhouseCoopers tätig.

Der konjunkturelle Abschwung sowie die unsichere politische Weltlage führen in der Werbewirtschaft zu einem starken Einbruch. Tamedia gibt am 13. November 2001 eine Gewinnwarnung bekannt. Das erwartete Konzernergebnis liegt in der Grössenordnung von 30 bis 35 Millionen Franken und entspricht weniger als der Hälfte des letztjährigen Ergebnisses.

Am 21. November beschliesst der Verwaltungsrat, die Zahlungen an TV3 per sofort einzustellen und den Sender zu schliessen. Die Bedingungen, die Tamedia bei ihrem Engagement an dieses Projekt stellte, konnten nicht erfüllt werden. Tamedia hat den Sender seit Januar 2001 allein finanziert und konnte nach dem Ausstieg von SBS Broadcasting SA keinen geeigneten Partner finden. Die gesetzliche Beschränkung bei der Unterbrecherwerbung sowie die sich rapide verschlechternde konjunkturelle Situation haben diesen Entscheid notwendig gemacht.

Als Folge der Veränderungen im Bereich der elektronischen Medien erhält Tamedia ein neues Organigramm: Radio 24 und TeleZüri werden Michel M. Favre, CEO, unterstellt. Das Online-Geschäft wird in den Konzernbereich Anzeigen/Vertrieb/Druck/Verlage Zeitungen eingegliedert.

Die Resultate der im Oktober angekündigten 5%-Sparrunde liegen vor: Es werden Sparmassnahmen im Umfang von 20 Millionen Franken beschlossen.

Personalchef Peter Höhener orientiert über die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung: Die Stimmung im Unternehmen ist etwas besser als bei der Umfrage vor drei Jahren, aber noch immer nicht genügend. Die Auswertung wird in einer Broschüre zusammengefasst und allen Tamedia-Mitarbeitenden nach Hause geschickt.

Die Konzernleitung beschliesst, die Löhne per 1. Januar 2002 zu erhöhen: Tiefere Einkommen werden generell um 1,5% erhöht, bei besser Verdienenden steigt der Lohn um 1% oder maximal 60 Franken pro Monat. Zusätzlich stehen 0,3% der Lohnsumme für individuelle Lohnerhöhungen zur Verfügung.

Im Dezember wird das von Bluewin, Credit Suisse und Tamedia gegründete Finanzportal Moneycab an die Goldbach-Media-Gruppe verkauft. Die stark veränderten Rahmenbedingungen im Internetgeschäft sowie eine neu definierte Online-Strategie haben zu diesem Entscheid geführt. Tamedia wird ihre Online-Aktivitäten eng mit dem Printgeschäft und den Aktivitäten im Radio- und TV-Bereich verknüpfen.

Der Verwaltungsrat bewilligt einen Kredit von 156 Millionen Franken für die Ablösung der Rotationsanlage und den Bau einer neuen Rotationshalle im Druckzentrum Bubenberg. Alle Zeitungsprodukte können somit durchgehend vierfarbig gedruckt, die Disposition für die Bundeinteilung flexibler gehandhabt werden.

Am 22. Dezember stellt TV3 mit der Ausstrahlung von «Titanic» seinen Betrieb definitiv ein. Für das Personal (80 Personen) wurde mit den Gewerkschaften ein grosszügiger Sozialplan ausgearbeitet.



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