Chronik 2000 
TA-Media im Jahr 2000

Per 1. Januar erhält die Konzernleitung eine den neuen Erfordernissen angepasste Organisation: Jürg Brauchli, Geschäftsleiter Anzeigen, Vertrieb, Druck und Informatik, ist neu auch Stellvertretender Vorsitzender der Konzernleitung. Kurt W. Zimmermann steht dem Bereich Verlage Zeitungen, TV und Neue Medien vor. Als zusätzliches Mitglied der Konzernleitung übernimmt René Gehrig die Leitung des Bereiches Verlags-Marketing.

Die 62-jährige Annabelle erfährt im Januar ein sanftes Facelifting. Der neue Auftritt zeichnet sich nicht nur durch eine klarere Strukturierung aus. Er ist auch sexy und bekennt sich zu Boulevard-Elementen. Die Zeitschrift nimmt gleichzeitig Abschied vom Hochglanzpapier und stellt von Tief- auf Offsetdruck um. Annabelle Création wird in die Organisation integriert, bleibt jedoch ein eigenständiger Titel.

Im Februar erhält die Schweizer Familie ein neues Design und eine inhaltliche Erweiterung. Ziel davon ist es, den Inhalt vermehrt auf die Stammleserschaft auszurichten; zu dieser gehören mehrheitlich Schweizerinnen und Schweizer ab 35 mit einer tendenziell konservativen, Wert erhaltenden Lebenseinstellung.

Im März verlässt Sylvia Gloor, Verlagsleiterin von Du und Spick, TA-Media. Sylvia Gloor war während 18 Jahren in verschiedenen Funktionen für das Unternehmen tätig.

Im April bilden Swisscom und TA-Media über eine Kreuzbeteiligung eine strategische Partnerschaft. TA-Media übernimmt 8 Prozent von Blue Window, dem Internet-Service-Provider von Swisscom. Blue Window beteiligt sich mit 15 Prozent an der Winner Market AG, dem Online Rubrikenangebot von TA-Media. Die gegenseitige Beteiligung hat Pioniercharakter in der Schweiz. TA-Media baut eines ihrer Kerngeschäfte - die Rubriken - zu elektronischen Marktplätzen aus. Gleichzeitig wird das horizontale Portal Blue Window durch Inhalte von TA-Media verbreitert und damit attraktiver.

Facts erscheint zum 5. Geburtstag am 6. April inhaltlich und optisch in neuer Aufmachung - mit klaren journalistischen Schwerpunkten, einer verbesserten Leserführung und einem topmodernen Layout. Das Nachrichtenmagazin ist zu einer beachtlichen Grösse angewachsen: Bei einer Auflage von 104’598 Exemplaren wird es von rund 609’000 Personen gelesen.

TV3 überarbeitet das News-Konzept und produziert ab 17. April anstelle der 20-minütigen Nachrichtensendung "News um 7" kurze TV3-News, die montags bis freitags um 19:50 und 22:50 Uhr ausgestrahlt werden.

Philipp Löpfe wird zum neuen Chefredaktor des Tages-Anzeigers ernannt. Neben ihm wirken ab dem 1. Mai in der Chefredaktion Thomas Rüst und Urs Buess als Stellvertretende Chefredaktoren und Tagesleiter, Fredy Wettstein, Sportchef Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung, und Roger Köppel, Chefredaktor Das Magazin. Die Chefredaktion ist damit wieder komplett.

Der Bau des Medienhauses Werd geht zügig voran. Am 26. Mai wird der höchste Punkt erreicht und Aufrichte gefeiert. Alle Mitarbeitenden von TA-Media sind zum Tag der offenen Baustelle eingeladen.

Die mittlerweile weit verzweigte Familie Coninx, Eigentümerin der TA-Media AG, steht an der Schwelle zur 5. Generation. Sie hat dies zum Anlass genommen, ihre Rolle im Unternehmen zu überdenken. Am 19. Mai orientiert sie die Öffentlichkeit über ihren Entscheid, einen Teil des Aktienkapitals über die Börse Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie einem breiten Anlegerpublikum anzubieten. Mit dem aus dem Börsengang resultierenden Mittelzufluss können jene Familienaktionäre ausbezahlt werden, die sich in Zukunft vor allem ausserhalb von TA-Media engagieren wollen. Das Aktienkapital der TA-Media AG wird Ende Juni von 4.8 Millionen Franken auf 100 Millionen Franken erhöht.

Das Gesuch um Erhöhung der Beteiligung der TA-Media AG an der Radio Zürichsee AG von 1.7 Prozent auf 26.7 Prozent wird im Juni vom Bundesrat gutgeheissen. Der bundesrätliche Entscheid ermöglicht es, die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Radio Zürisee auch in Zukunft weiterzuführen.

Im Juli gibt die TA-Media AG bekannt, dass sie per 1. Januar dieses Jahres 100 Prozent der Aktien der Verlag Finanz und Wirtschaft AG übernommen hat; sie ist bereits über zehn Jahre im Besitz einer sogenannten stillen, rein finanziellen Beteiligung von 30 Prozent gewesen. Der Verlag ist auf Wirtschaftspublikationen spezialisiert und gibt unter anderem das renommierte Börsenblatt Finanz und Wirtschaft heraus. Mit diesem zwei Mal wöchentlich erscheinenden Wirtschaftstitel mit rund 55’000 verkauften Exemplaren pro Ausgabe erfährt das Portfolio von TA-Media eine ideale Ergänzung.

Am 17. Juli stösst René Moser als neuer Verlagsleiter Du zu TA-Media. Moser war Leiter Administration und Verkauf der Monopole Pathé Films SA.

TA-Media wird vom Fachblatt Media Trend Journal zum Medienunternehmen des Jahres ernannt. Ausschlaggebend für die Wahl waren vor allem die Beratungs- und Serviceleistungen im Anzeigengeschäft.

Der Zürich Express erhält Ende August zu seinem ersten Geburtstag ein neues Layout. Am 3. September erscheint die SonntagsZeitung, deren Auflage im Frühjahr mit 220’102 Exemplaren beglaubigt wurde, erstmals mit einem 9. Bund, dem Online-Bund; er hat vor allem Service-Charakter.

Spick tritt nach einer sanften Renovation frischer, klarer, freundlicher und auch eine Spur frecher auf. Am 1. September kommt der neue Verlagsleiter, Marcel Tappeiner, an Bord; er war vorher als Mediaplaner bei Micom Carat tätig.

Nachdem der Tages-Anzeiger als eine der ersten Zeitungen in der Schweiz den gesamten redaktionellen Inhalt auch im Internet angeboten hat, baut er sein Angebot mit Online-News rund um die Uhr aus. Eine 14köpfige Nachrichtenredaktion produziert auf tagesanzeiger.ch Tag für Tag ein vollständiges Nachrichtenangebot aus Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur und Gesellschaft. Dazu kommen umfangreiche Specials und Dossiers über zentrale Themen.

Ein neuer Name für eine neue Ära: Die TA-Media AG hat sich in den letzten Jahren vom reinen Print-Haus zum multimedialen Content Provider gewandelt, der seine Inhalte ausser über Zeitungen und Zeitschriften auch über Radio, Fernsehen und Internet verbreitet. Der neue Name der Firma, Tamedia AG, trägt - ohne die Wurzeln zu verleugnen - dieser Entwicklung Rechnung. Das neue Claim "tamedia: Content for People" verweist auf die Inhalte, die das Unternehmen - von und für Menschen - herstellt und transportiert. Mit dem Doppelpunkt im Logo wird auf den Content hingewiesen, auf die Inhalte, die aus dem Unternehmen kommen.

Im September wird ein Wechsel in der Konzernleitung der Winner-Gruppe bekannt gegeben. Marius Hagger wird auf 1. Januar 2001 neuer Geschäftsführer der E-Commerce-Plattform Winner Market AG. Er ersetzt Jürg Grau, der sich als Berater selbständig macht.

Ende September scheiden die vier Familienmitglieder Rena M. Coninx Supino, Sabine Richter-Ellermann, Antje Landshoff-Ellermann und Jürg A. Hauser aus dem Gremium aus. Neu wird Christina von Wackerbarth, Generaldirektorin für den Bereich Fernsehen beim staatlichen Radio- und Fernsehkonzern VRT (Vlaamse Radio en Televisie) in Brüssel, in den Verwaltungsrat gewählt, dem weiterhin Hans Heinrich Coninx als Präsident, Robert Karrer als Vizepräsident und als Mitglieder Iwan Rickenbacher, Karl Dietrich Seikel sowie Pietro Supino angehören.

Am Montag, 2. Oktober, geht die Tamedia AG an die Börse. Sie platziert 20 Prozent ihrer Aktien, das heisst 2 Millionen Titel mit einem Nominalwert von 10 Franken zu einem Emissionspreis von 260 Franken am Hauptsegment der SWX Exchange. IPO-Lead-Manager ist UBS Warburg. Die Mitarbeitenden von Tamedia haben die Möglichkeit, Aktien zu einem 20 Prozent tieferen Preis zu beziehen. Für das Management ist zusätzlich ein Aktienoptionsprogramm ausgearbeitet worden. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten ausserdem eine Aktie geschenkt. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen weitere 13 Prozent der Aktien im Publikum platziert werden.

René Lüchinger, Chefredaktor von Facts und Mann der ersten Stunde des Nachrichtenmagazins, bittet die Konzernleitung von Tamedia, seinen Vertrag per Ende 2000 aufzulösen. Sein Nachfolger wird Hannes Britschgi, bisher Redaktionsleiter der Rundschau auf SF DRS.

TV3 startet im zweiten Halbjahr eine Programmoffensive im Unterhaltungsbereich. Neue Eigenproduktionen wie "Big Brother" und "Wer wird Millionär?" sind sehr erfolgreich. Im Oktober wird zwischen 18 und 23 Uhr bei den 15- bis 49-Jährigen mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 10.1 Prozent Platz zwei erobert. In der gleichen Zielgruppe verfolgen im Durchschnitt täglich 24.3 Prozent das Geschehen im "Big Brother"-Container. Die Strategie, mit konsequent auf ein jüngeres Publikum ausgerichteten Sendungen den Schweizer TV-Markt zu beleben, bewährt sich.

Tamedia, Credit Suisse und Blue Window bauen ein gemeinsames Finanzportal im Internet auf. Die drei Partner gründen zu diesem Zweck die Finanzfachmarkt AG, an der sie mit je einem Drittel des Aktienkapitals beteiligt sind. Das Portal, das ab Januar 2001 verfügbar sein soll, wird als eigenständiges Unternehmen geführt; als Geschäftsleiter konnte Markus Gisler gewonnen werden.

Im November übergibt Tamedia die Vermarktung der Online-Medien der AdLINK Internet Media AG, einem der grössten Online-Vermarkter Europas, und beteiligt sich gleichzeitig mit 33.3 Prozent an AdLINK Schweiz.

René Bortolani, Chefredaktor der Schweizer Familie, nimmt eine neue Herausforderung innerhalb des Unternehmens an: Er wird die beim Personal Management angesiedelte Aus- und Weiterbildung für Journalistinnen und Journalisten aufbauen und anschliessend leiten. Der bisherige Stellvertretende Chefredaktor der Schweizer Familie, Daniel Dunkel, wird per 1. Januar 2001 neuer Chefredaktor.

Im Dezember gibt ImmoWinner bekannt, zusammen mit der Intercity-Gruppe den ersten schweizerischen Makler-Channel für Wohneigentum zu bauen. Der Makler-Channel soll im März 2001 aufgeschaltet werden.

Innovation wurde im Jahr 2000 auch im Druckzentrum grossgeschrieben. Realisiert wurden die Projekte Digitaler Umbruch und Computer to Plate, die direkte Belichtung der Druckplatten. Das 1998 gestartete Projekt Spedition 2000 steht vor dem Abschluss. Für den Erweiterungsbau im Druckzentrum Bubenberg und die vier modernsten Speditionslinien, die pro Stunde je 25’000 bis 30’000 Zeitungen von 1.5 Kilogramm mit täglich bis zu acht Beilagen verarbeiten können, wurden 43 Millionen Franken investiert.


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