1996
TA-Media gründet zusammen mit der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) und Ringier die SMD Schweizer Mediendatenbank AG. Die SMD macht Artikel, die in schweizerischen Zeitungen und Zeitschriften sowie in der internationalen Presse erschienen sind, elektronisch abrufbar. Für das neue Medium Internet gründet TA-Media einen eigenen Geschäftsbereich.
Zudem bildet sie als bisherige Mehrheitsaktionärin für den
Anzeiger von Uster eine neue Trägerschaft, an der sich auch die Druckerei Wetzikon AG, die Herausgeberin des Zürcher Oberländers, beteiligt. So kann der
Anzeiger von Uster als Kopfblatt des Zürcher Oberländers erscheinen. TA-Media wird Minderheitsaktionärin der Anzeiger von Uster AG. Die 50-Prozent-Beteiligung von TA-Media an der Conzett+Walter AG wird an deren Management verkauft.
Das Druckzentrum TA-Media erbringt höchste Qualität: Die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Management-Systeme bezeugt mit einem Zertifikat, dass das Druckzentrum den internationalen Qualitätsstandard ISO 9001 einhält.
Als Nachfolgerin von Gina Gysin übernimmt Angela Oelckers die Chefredaktion der
Annabelle. Das Zürcher Stadtmagazin
Bonus wird eingestellt. Der
Tages-Anzeiger lanciert einen speziellen Computerbund. Dafür geht der PCTIP, bisher gemeinsam mit der IDG herausgegeben, zu 100% in deren Besitz über.
1997
TA-Media stösst weiter in die digitale Medienwelt vor: Gemeinsam mit der AG für die Neue Zürcher Zeitung und Ringier gründet sie die PrintNet (PNCH) AG. Dank dem elektronischen Netz von PrintNet können die Werbeauftraggeber ihre Anzeigen digital an die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage übermitteln. Filme werden überflüssig, die Arbeitsabläufe einfacher und schneller.
Die gedruckten Rubrikinserate erhalten ihre Ergänzung im Internet: SwissClick bietet einen nationalen Überblick über offene Stellen und Stellengesuche, über Immobilien und Wohnungen, über Autos und Veranstaltungen. SwissClick wird von der PressWeb AG betrieben, an der sich die Medienhäuser Tamedia, AG für die Neue Zürcher Zeitung, Basler Mediengruppe und Edipresse SA sowie die Publicitas SA beteiligen.
Im April beschliesst Roger de Weck, Chefredaktor des
Tages-Anzeigers und Geschäftsleiter Publizistik, TA-Media wegen unterschiedlicher Standpunkte und Auffassungen innerhalb der Konzernleitung zu verlassen. Thomas Biland wird zum interimistischen Chefredaktor ernannt.
Weitere personelle Wechsel prägen das Jahr: Ueli Haldimann tritt als Chefredaktor der
SonntagsZeitung zurück. Chefredaktor Andreas Durisch wechselt von der
Schweizer Familie zur
SonntagsZeitung. Sein Amt bei der
Schweizer Familie übernimmt René Bortolani, der seinerseits die Aufgaben als Chef des
Magazins an Roger Köppel weitergibt. Dietrich Berg wird Verlagsleiter des
Tages-Anzeigers, Alexander Theobald Verlagsleiter der
SonntagsZeitung, Roland Wahrenberger Verlagsleiter der
Schweizer Familie und Jean-Pierre Ritler Verlagsleiter der
Annabelle.
Der
Tages-Anzeiger erhält mehr Farbe und eine neue Typografie. Am 27. August erscheint er erstmals in neuer Aufmachung. Mit der Einführung des neuen Designs macht er den grössten gestalterischen Entwicklungsschritt seit 1963, als er begann, Nachrichten und Kommentare typografisch zu kennzeichnen, und von vier auf fünf Zeitungsspalten umstellte. Am 8. März erscheint erstmals
Alpha, der grösste Kaderstellenanzeiger der Schweiz.
Alpha wird sowohl der Samstagausgabe des
Tages-Anzeigers als auch der
SonntagsZeitung beigelegt. Die Programmzeitschrift
TVplus wird mit dem bisherigen Konkurrenztitel TV-Extra von Ringier zu
TVtäglich zusammengelegt.
1998
Am 1. Januar tritt Esther Girsberger ihr Amt als neue Chefredaktorin des
Tages-Anzeigers an.
Die Jugendzeitung
Ernst wird in den
Tages-Anzeigers integriert. Sie erscheint am Mittwoch neu als sechster Bund, der sich an je einem weiteren Tag den Themen Computer, Savoir vivre, Auto und Technik, Reisen und Leute widmet. Die Stadt Winterthur erhält eine eigene Zeitungsseite.
Die PrintNet (PNCH) AG schliesst sich mit dem Konkurrenzunternehmen Media-Online der Publicitas SA zur PrintOnline AG zusammen, die der gesamten Branche eine einzige Lösung zur digitalen Anzeigenübermittlung anbietet. Die TA-Media AG ist mit 25 Prozent an der PrintOnline AG beteiligt.
TA-Media übernimmt Ende Juni von Vogt-Schild/Habegger die Frauenzeitschrift
Orella und integriert sie in die
Annabelle, die damit ihre Position als führende Frauenzeitschrift der Schweiz weiter ausbaut. Aus
Orella wird mit Premiere am 16. Oktober
Annabelle Création. Die Leserinnen und Leser von
Orella und
Annabelle erhalten neu zwei Zeitschriften: vierzehntäglich die
Annabelle und dazu monatlich
Annabelle Création.
Anfang Juli gründet TA-Media zusammen mit der in Luxemburg beheimateten Scandinavian Broadcasting System SA die TV3 AG und reicht beim Bundesamt für Kommunikation ein Konzessionsgesuch für das erste private Fernseh-Vollprogramm der Schweiz ein. Zum Geschäftsführer der TV3 AG wird Jürg Wildberger, bisher Chefredaktor von
Facts, ernannt. Sein Nachfolger bei
Facts ist der bisherige stellvertretende Chefredaktor René Lüchinger.
Im August stellt TA-Media ihren Plan vor, an Stelle des Derendinger-Hauses einen siebengeschossigen Glasbau für rund 600 Arbeitsplätze zu erstellen. Dafür soll die Liegenschaft an der Baslerstrasse verkauft werden. Die architektonischen Ideen für das Medienhaus Werd stammen vom Zürcher atelier ww.
Im September beschliessen die Konzernleitung und der Verwaltungsrat der TA-Media AG, die Aktivitäten des Druckzentrums auf den Zeitungsdruck und den Akzidenzrollenoffsetdruck zu konzentrieren und den Tiefdruck auf Ende Oktober 1999 aufzugeben. Dadurch werden 97 Stellen im Verlauf von 1999 aufgehoben. 70 Personen werden vorzeitig pensioniert. Die weiteren betroffenen Mitarbeiter werden auf den Zeitungsoffsetdruck umgeschult oder in anderen Bereichen von TA-Media weiterbeschäftigt. Für die vorzeitigen Pensionierungen und die Umschulung stellt TA-Media elf Millionen Franken bereit.
Ende November beschliessen der Zürcher Privatsender Radio Zürisee und TA-Media, enger zusammenzuarbeiten. TA-Media übernimmt 25 Prozent des Aktienkapitals.
Nach 31 Jahren erfolgreicher Tätigkeit für TA-Media, zuletzt als Geschäftsleiter Druckzentrum, zieht sich Armin Feitknecht am 31. Dezember aus eigener Initiative aus dem Berufsleben zurück.
1999
Am 1. Januar übernimmt Jürg Brauchli, Geschäftsleiter Anzeigen, Vertrieb und Informatik, zusätzlich die Verantwortung für das Druckzentrum.
Ebenfalls am 1. Januar tritt der ehemalige Generalstabschef Arthur Liener sein Amt als Ombudsmann von TA-Media an. Dr. phil. nat. Arthur Liener ist Beschwerdestelle für die Leserschaft und setzt sich für die Einhaltung ethischer Grundsätze im redaktionellen wie auch im Inserateteil sämtlicher Titel des Hauses ein.
Unsere Kulturzeitschrift
Du erscheint ab Januar mit neuem Mantelteil. Dem weiterhin auf ein zentrales Thema ausgerichteten Heft wird ein zwölfseitiges Journal,
hinterland, mit Interessantem aus Kultur, Politik und Gesellschaft vorgelagert.
Du kann auch für
hinterland auf ein breites internationales Netz von hervorragenden AutorInnen zurückgreifen.
Die Condor Films AG, deren Mehrheitsaktionärin TA-Media ist, trennt sich vom Bereich Spielfilme und TV-Serien; dieser wird von der neue gegründeten, Tamedia-unabhängigen C-Films AG übernommen. Condor Films k onzentriert sich seit dem 1. Januar auf die Kerngeschäfte Werbespots und Unternehmenskommunikation.
Ab Januar 1999 wird
Das Magazin der Berner Zeitung nicht mehr beigelegt. Am 9. Januar zeigt sich
Das Magazin mit neuem Outfit, das sich durch ein innovatives und leserfreundliches Design hervorhebt. Das Layout hat der
Magazin-Art-Director Wendelin Hess entworfen, der 1998 in London den ersten Preis der Society of Typographic Designers gewonnen hat. Beraten wurde er von Simon Esterson, einem der grossen engl ischen Zeitschriftendesigner; er hat u.a. die Sunday Times und die Wochenendbeilage des Guardian renoviert.
Im April wird Christa Löpfe zur Chefredaktorin der
Annabelle ernannt, wo sie seit Herbst 1998 Art Director und stellvertretende Chefredaktor in war. Sie übernimmt das Amt von Angela Oelckers, die aus privaten Gründen nach Deutschland zurückkehrt. Chefredaktorin von
Annabelle Création wird Ursula Jucker, früher Chefredaktorin von Orella und verantwortlich für das Neukonzept und die Lancierung von
Annabelle Création.
Im Mai übt TA-Media ihr vertragliches Vorkaufsrecht in Bezug auf die Hälfte der Beteiligung der Ringier AG an der TeleZüri AG aus und ist damit neu neben der Belcom Holding AG von Roger Schawinski zu 50 Prozent nach Kapital und zu 37,5 Prozent nach Stimmen an der TeleZüri AG beteiligt.

Am 20. Juni zeigt sich die
SonntagsZeitung erstmals im neuen Look. Beim sorgfältig geplanten Redesign wurd e auf optische Qualität und hohe Leserfreundlichkeit geachtet. So präsentiert etwa die Auftaktseite von jedem der acht Bünde - Nachr ichten, Thema, Sport, Kultur, Wirtschaft, Innovation, Trend und Reisen - zuoberst die wichtigsten Geschichten auf einen Blick. Unter anderem erfolgt der Texsteinstieg schneller, weil das Lead wegfällt. Der Titel und eine Unterzeile enthalten die Essenz des Artikels.
Ende Juni beschliesst die Tamedia als erstes Medienunternehmen in der Schweiz eine Gewinnbeteiligung von fünf Prozent des Betriebsergebnisses. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dabei gleichgestellt. Die Gewinnbeteiligung wird zum ersten Mal nach der Bilanzmedienkonferenz im kommenden Jahr ausbezahlt; die Regelung gilt bis und mit 2003.
Im Juni wird auf der
Tages-Anzeiger-Redaktion ein kleines Radiostudio eingerichtet. Für Radio Zürisee liefert das der
Tages-Anzeiger-Chefredaktion unterstellte Radioteam seit Mitte Juni frühmorgens, über Mittag und am frühen Abend aktuelle Nachrichten aus Stadt und Agglomeration Zürich.
Am 6. Juli verkauft TA-Media ihre Liegenschaften an der Uetliberg- und Baslerstrasse. Das Gebäude an der Baslerstrasse wurde für die kommenden Jahre zurückgemietet. Während die Büros 2001 ans Werdareal umziehen, bleibt der Akzidenz-Rollenoffsetdruck vorläufig hier. Der Verkauf der beiden Liegenschaften stellt nebst dem Bau des Medienhauses Werd einen wesentlichen Bestandteil der neu definierten Immobilienstrategie von TA-Media dar. Indem Flächen gezielt gemietet und Mittel nicht in Immobilien gebunden werden, wird die im heutigen Markt notwendige Flexibilität geschaffen.
Ab 30. August erscheint das
Tagblatt der Stadt Zürich neu unter dem Titel
Zürich Express.
Zürich Express möchte den Stadtbewohnern wie auch den Pendlern im Grossraum Zürich einen schnellen Überblick über das Geschehen in aller Welt, in der Schweiz, in der Region und in der Stadt anbieten. Die grafisch neu gestaltete Schnelllesezeitung soll auch ein jüngeres Publikum zur Zeitungslektüre animieren. Gedruckt wird der
Zürich Express nicht mehr, wie bisher, bei der NZZ, der zu 40 Prozent beteiligten Partnerin, sondern bei TA-Media.
TA-Media will künftig ihr Internet-Rubrikenanzeigengeschäft eigenständig betreiben. Per Ende Juni kündigt TA-Media daher vorsorglich den Vertrag mit der Pressweb AG; zu deren Aktionären gehörten neben TA-Media Publigroupe, Neue Zürcher Zeitung, Edipresse und die Basler Mediengruppe. Im September gründet TA-Media die Winner Market AG mit Job, Immo, Car, Auction und Partner Winner AG: Mit dieser Unternehmensgruppe will sie per 1. Januar 2000 das Online-Rubrikengeschäft gezielt vorantreiben. CEO der neuen Firma wird Jürg Grau, bisheriger Geschäftsführer der Pressweb AG, wo er mit grossem Erfolg die Plattform Swissclick lanciert hat.
Nachdem der Bundesrat am 15. März die Sendekonzession für
TV3 erteilt hat, geht das erste Schweizer Privatfernsehen mit Vollprogramm am 6. September auf Sendung. Geschäftsführer ist Jürg Wildberger, früher Chefredaktor von
Facts. Klaus Vieli, vormals Chef der Rundschau von SF DRS, wird Chefredaktor. U.a. kann die schweizerisch-italienische Moderatorin Michelle Hunziker für eine Lifestyle-Show gewonnen werden.
TV3 ist ein Jointventure von TA-Media und Scandinavian Broadcasting System (SBS).
Am 28. September findet an der Uetlibergstrasse eine grosse Abschiedsfeier zur Schliessung des Tiefdrucks, «Ade Imago», statt. Am 20. August war hier die letzte Produktion gelaufen: Mit
TVtäglich Nr. 34 endeten 72 Jahre Tiefdruck bei TA-Media. Hans Heinrich Coninx, Michel M. Favre und Jürg Brauchli würdigen in ihren Begrüssungsansprachen die Verdienste der ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung und wünschen ihnen alles Gute im Ruhestand oder bei ihrer neuen Tätigkeit innerhalb des Unternehmens.
Ende September kündigt Esther Girsberger, Chefredaktorin des
Tages-Anzeigers und Mitglied der Konzernleitung, ihr Arbeitsverhältnis mit TA-Media. Sie folgt dem Angebot, die Stelle als Head of Communication der weltweit tätigen Novartis anzunehmen. Sie verlässt TA-Media per Ende Oktober. Chefredaktor ad interim wird Philipp Löpfe.
Die Tamedia AG verkauft Anfang November ihre Beteiligung an Radiotele von 35 Prozent an die Mediatransfer Holding AG im Besitz von Bruno Oetterli, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer der Radiotele AG. Radiotele ist im Bereich der Akquisition nationaler Werbung für Radio, Teletext und Fernsehen tätig. 1990 hatte TA-Media eine Mehrheitsbeteiligung an der Radiotele erworben; 1995 wurde eine Minderheitsbeteiligung daraus.
Mitte November wird publik, dass TA-Media mit der Swisscom über einen Einstieg bei Blue Window verhandelt. Bluewin hat als Internet Service Provider bereits ein attraktives Portal aufgebaut, ist Marktleader in der Schweiz und verfügt über ein schlagkräftiges Management sowie Mitarbeiter mit grossem Knowhow. Bluewin ist zudem ein strategisch interessanter Partner für die Winner-Gruppe, mit der TA-Media in den folgenden Monaten attraktive Marktplätze im Online-Rubrikengeschäft in den Bereichen Jobs, Autos, Immobilien, Partnerschaft und Auctioning schafft. Die Websites der TA-Media-Titel werden daneben selbstständig von TA-Media Online weitergeführt.
Ende November beschliesst die Konzernleitung von TA-Media, im Zusammenhang mit der neuen Spedition Druckzentrum Bubenberg die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spedition vollständig dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) Technik zu unterstellen. Damit will TA-Media eine Gleichbehandlung aller im Druckzentrum Arbeitenden erreichen und kommt einem Anliegen der Betriebskommission nach.
Die Emil-Frey-Gruppe, eine der wichtigsten Auftraggeberinnen der Fahrzeugbranche, kehrt im Dezember als Inserentin zum
Tages-Anzeiger, den sie während 20 Jahren boykottiert hatte, zurück.
Der
Tages-Anzeiger kann 1999 - neben der Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung im Januar - verschiedene Neuerungen verbuchen, wie eine wöchentliche Medienseite, eine tägliche Medienkritik, jeden Freitag den Bund konto sowie jeden Samstag die Beilage
fahrzeugtipp.
Ruedi Helfer übernimmt als neuer Chefredaktor der Schülerzeitschrift
Spick die Nachfolge von Angelika und Otmar Bucher-Waldis. Das Ehepaar, das
Spick 1982 gründete, tritt Ende Jahr in den Ruhestand.