1893


Auf den 1. Januar 1893 hat sich in Zürich eine völlig neue, politische Situation ergeben. 11 eigenständige Gemeinden rund um den heutigen Stadtkern sind zum Stadtgebiet erklärt worden. Zürich wird damit von einem Tag auf den anderen zu einer Grosstadt, mit einer Bevölkerung, die durch die Industrialisierung proletarischer geworden ist. Der deutsche Zeitungsverleger Wilhelm Girardet (Bild) und der frühere NZZ-Redaktor Fritz Walz nutzen die neue soziostrukturelle Situation und den auf Liberalität pochenden Zeitgeist. Sie gründen mit Hugo Isenburg und Fritz Furrer als Teilhaber die Firma Wilhelm Girardet & Co. Erster Geschäftsführer in Zürich wird Hugo Isenburg.
Am 2. März erscheint der erste Tages-Anzeiger, eine Zeitung des Typs Generalanzeiger, mit einer Auflage von über 43'000 Exemplaren und einem Umfang von 16 Seiten. Eine hohe Auflage, informativer, politisch neutraler Textteil, viele Inserate und niedrige Abonnementspreise sind seine Merkmale. Der Betrieb zählt zu diesem Zeitpunkt 15 Personen; Geschäftsleiter, Redaktoren, Schriftsetzer, Drucker, sowie Frauen für die Ausrüstung und Spedition.
Die Werbung geschieht durch Gratisstreuung während dem ganzen Monat März. Ab 30. März muss das Blatt abonniert werden, zu 50 Rappen im Monat. Nach zwei Monaten zählt der Tages-Anzeiger 25'000 Abonnenten.
1899

Die Firma heisst jetzt Girardet, Walz & Co. Girardets Sohn, Wilhelm jun. wird neuer Geschäftsführer. Die Auflage und der Zeitungsumfang sind von Jahr zu Jahr gestiegen, diverse technische Erneuerungen waren bereits nötig. Diese ziehen auch eine nötige Vergrösserung der Gebäude mit sich. Erst denkt man an einen Ausbau der gemieteten Gebäude, sehr bald aber an einen Neubau. Es wird ein Industrieareal am Ufer der Sihl erworben. Damit wurde der Grundstein zum späteren Hauptsitz an der Werdstrasse 21 gelegt.
1902

Der Neubau wird bezogen. Er bietet Raum für alle Geschäftsbereiche inklusive der Druckerei.
1904

Die Illustration einer Tageszeitung ist um die Jahrhundertwende technisch ein äusserst schwieriges Problem. Die Konzernleitung lanciert deshalb die wöchentliche Tages-Anzeiger Beilage Zeitbilder. Sie ist als Ergänzung zum gedruckten Wort gedacht und kann als Vorläufer des Magazin angesehen werden.
1905

Der 34 jährige Otto Coninx heiratet Berta Girardet, die Tochter des Zeitungsverlegers Wilhelm Girardet sen. Otto Coninx ist Redaktor bei einer Zeitschrift für Bergbautechnik. Da Wilhelm Girardet seinen Sohn dringend in einem seiner Verlagshäuser braucht, sucht er einen Nachfolger für Zürich. Seine Wahl fällt auf den Schwiegersohn, der zwar keine verlegerische, jedoch publizistische Erfahrung mitbringt. Mit Otto Coninx Berufung nach Zürich, beginnt sich auch der Name Coninx für Generationen mit dem Tages-Anzeiger zu verbinden.

1912

Die Kommanditgesellschaft Girardet, Walz & Co. wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, was durch das neue, revidierte Obligationenrecht nun möglich ist.
1918

Wilhelm Girardet sen. stirbt. Die Wirren des ersten Weltkrieges hatten auch auf den Tages-Anzeiger ihre Auswirkungen. Die Auflage, die 1917 84'000 Exemplare erreichte, sank in den folgenden, von starken sozialen Spannungen geprägten Jahren stark ab. Der Tages-Anzeiger besteht seit 25 Jahren, statt einer, nach den verheerenden Kriegsjahren, unpassenden Jubiläumsfeier werden für die Angestellten die Darlehens- und Hülfskasse und die Unterstützungskasse für die Zeitungsverträgerinnen ins Leben gerufen.
1923

Fritz Walz, Mitbegründer und Redaktor des Tages-Anzeigers, tritt zurück. Seit 1922 erlebt die Zeitung wieder einen Aufschwung, die Auflage und der Umfang nehmen langsam wieder zu.
1926

Die bis anhin deutsche Unternehmung ist nun eine rein schweizerische Aktiengesellschaft. In den vergangenen Jahren konnte Otto Coninx-Girardet allmählich die Aktien seines Schwiegervaters übernehmen. Er ist nun auch Schweizer Bürger.
1927

Die Tochtergesellschaft Regina-Verlag AG wird gegründet. Die Verlagsrechte der 1904 lancierten Zeitschrift Das Schweizer Heim werden übernommen. Somit erweitert der Verlag seine Tätigkeit über den Tages-Anzeiger hinaus.